Warum es mir so schwerfiel zu sagen, dass es mir nicht gut geht

Lange Zeit fiel es mir schwer zuzugeben, wenn es mir nicht gut ging. Wenn mich jemand fragte, wie es mir geht, antwortete ich fast automatisch: „Gut.“ Oft sogar mit einem Lächeln. Nicht weil ich bewusst etwas verbergen wollte, sondern weil ich über viele Jahre gelernt hatte, Symptome und Beschwerden als etwas zu betrachten, das möglichst schnell verschwinden sollte. Irgendwann hatte ich begonnen, Gesundheit mit Stärke zu verbinden und Beschwerden mit Schwäche. Je mehr Symptome da waren, desto mehr hatte ich das Gefühl, etwas stimme nicht.

Rückblickend wird mir bewusst, wie stark mich dieses Denken geprägt hat. Selbst dann, wenn es mir innerlich nicht gut ging, fiel es mir leichter, nach außen Stärke zu zeigen, als ehrlich auszusprechen, was tatsächlich da war. Vielleicht lag es auch daran, dass ich immer nach Lösungen gesucht habe. Ich wollte verstehen, verändern und gesund werden. Beschwerden waren für mich nie einfach nur Beschwerden. Sie fühlten sich oft wie ein Hinweis darauf an, dass ich noch nicht am Ziel angekommen war.

Heute kann ich vieles davon klarer erkennen. Gleichzeitig bemerke ich, dass einzelne Anteile davon auch heute noch manchmal auftauchen. Gerade in den letzten Tagen wurde mir das wieder bewusst. Seit einigen Tagen fühlt sich mein Körper nicht ganz so an wie sonst. Nichts Dramatisches, aber genug, um wahrzunehmen, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Und obwohl ich mich seit vielen Jahren intensiv mit Gesundheit beschäftige, meine Ernährung verändert habe, auf viele Dinge achte und meinen Körper bestmöglich unterstütze, gibt es auch heute Situationen, in denen ich nicht sofort verstehe, warum er gerade so reagiert.

Vielleicht liegt genau darin eine wichtige Erkenntnis.

Gesundheit bedeutet nicht, niemals Beschwerden zu haben. Gesundheit bedeutet nicht, dass der Körper nie reagiert, nie aus dem Gleichgewicht gerät oder nie Unterstützung braucht. Der Wunsch nach Gesundheit kann manchmal unbemerkt zu einer Erwartung werden. Zu der Vorstellung, dass alles immer funktionieren sollte, wenn man nur genug weiß, genug tut oder die richtigen Entscheidungen trifft.

Doch das Leben funktioniert nicht so. Der Körper auch nicht.

Er reagiert auf Belastungen, auf Veränderungen, auf Einflüsse, die wir manchmal erkennen und manchmal nicht. Und vielleicht liegt die eigentliche Aufgabe nicht darin, jede Reaktion sofort kontrollieren oder erklären zu können. Vielleicht geht es vielmehr darum, dem eigenen Körper auch in solchen Momenten mit Vertrauen zu begegnen.

Je länger ich mich mit Gesundheit beschäftige, desto mehr verändert sich meine Sichtweise. Heute glaube ich nicht mehr, dass wahre Gesundheit bedeutet, keine Symptome zu haben. Ich glaube, dass sie viel mehr damit zu tun hat, wie wir uns selbst begegnen, wenn nicht alles perfekt läuft. Ob wir bereit sind, hinzuhören, wahrzunehmen und unserem Körper auch dann mit Respekt zu begegnen, wenn er uns gerade nicht das Bild zeigt, das wir gerne von ihm hätten.

Vielleicht beginnt genau dort eine andere Form von Heilung. Nicht in der Vorstellung, irgendwann alles richtig zu machen, sondern in der Bereitschaft, dem eigenen Körper zuzuhören und ihm auch dann zu vertrauen, wenn wir noch nicht alle Antworten kennen.
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Warum so vieles nicht greift, obwohl Du so viel weißt